Verbrauch ohne Kontrolle: Jeder vierte Rechenzentrumsbetreiber erfasst keine Energiedaten
Eine neue Studie von 451 Research, einem Unternehmen von S&P Global Market Intelligence, zeigt, warum fehlende Verbrauchstransparenz in Rechenzentren zur Wachstumsbremse für KI-Infrastruktur wird.

Fast jeder vierte Rechenzentrumsbetreiber erfasst keine Stromverbrauchsdaten seiner Infrastruktur. Das ist das Ergebnis einer Studie von 451 Research, einem Unternehmen von S&P Global Market Intelligence, unter 208 Rechenzentrumexperten von Ende 2025.
Die Studie ging der Frage nach, wie effizient Rechenzentren arbeiten, gemessen an der PUE (Power Usage Effectiveness) ihres jeweils wichtigsten Standorts. Der PUE-Wert beschreibt, wie effizient ein Rechenzentrum mit Energie umgeht und setzt dafür den gesamten Energieverbrauch ins Verhältnis zum reinen Energiebedarf der IT. Während gut die Hälfte mit einem PUE-Wert von 1,5 bis 2 arbeitet, gaben 23 Prozent der Betreiber an, den PUE-Wert noch immer nicht zu erfassen.
Betriebssicherheit: Studie belegt gravierende Lücken
Trotz weltweiter Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur zeigt die Studie gravierende Lücken im Betrieb moderner Rechenzentren und offenbart strategische Schwachstellen:
- Der Mangel an detaillierten Stromverbrauchsdaten bedeutet ein strukturelles Geschäftsrisiko, so die Autoren der Studie. Schließlich ist die Verfügbarkeit von elektrischer Energie mittlerweile der limitierende Faktor bei Aufbau, der Skalierung und Monetarisierung KI-fähiger Infrastruktur.
- Hohe, unvorhersehbare Lastwechsel durch KI-Rechenoperationen erzeugen neue Herausforderungen in der Spannungsqualität im Rechenzentrum und bergen das Risiko für Ausfälle und sind damit eine Gefahr für die Hochverfügbarkeit.
- Stark fluktuierende KI-Lasten bringen zudem die Energie- und Kühlungssysteme von Rechenzentren an ihre Belastungsgrenze, so 451 Research. Auch hier ist ein Überblick über die Verbräuche unabdingbar für einen sicheren Betrieb eines Rechenzentrums.
- Auch für laufende Aufgaben wie vorausschauende Wartung, Kapazitätsplanung oder Umsatzoptimierung sind schnelle, belastbare Energiedaten notwendig, betont die Studie. Der betriebswirtschaftliche Nutzen für die Betreiber liegt auf der Hand: Betreiber können mit detaillierten Energiedaten potenzielle Schäden an empfindlichen Anlagen vermeiden und vorzeitigen Verschleiß und Effizienzverluste verhindern.
Wie sich Rechenzentren sicher für die Zukunft aufstellen
Entscheidend für den weiteren Erfolg der nächsten Rechenzentrumsgeneration sei die Fähigkeit, genaue, Echtzeit-Betriebsdaten zu erfassen und zu nutzen – insbesondere zu Stromverbrauch und zur Spannungsqualität, so die Verfasser der Studie. Moderne KI-Systeme bräuchten deutlich mehr Messpunkte und Datengenauigkeit, damit Betreiber Ausfälle vermeiden und die Lebensdauer kritischer Komponenten sichern können. Die Studie zeigt: Energiedaten sind schon längst eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit geworden.
Diese Entwicklung wird sich noch weiter beschleunigen. Da die Leistungsdichte pro Rack weiter steigen und KI-Modelle exponentiell wachsen werden, brauche es verlässliche, hochauflösende Energiedaten über die gesamte Stromkette hinweg, vom Netzanschlusspunkt bis zum einzelnen Rack. Nur so ließen sich KI-Workloads wirtschaftlich und sicher managen. „In einer Umgebung, in der Millisekunden entscheiden, werden Flexibilität und Datenkompetenz zu den entscheidenden Differenzierungsmerkmalen,“ so die Studie. Die Betreiber, die ihre Stromdaten strategisch nutzen, können die Komplexität beherrschen – und den vollen wirtschaftlichen Nutzen aus ihrer KI-Infrastruktur ziehen.
Die Hintergründe zur Studie
451 Research ist ein Unternehmen der S&P Global Market Intelligence und spezialisiert auf die Analyse digitaler Infrastruktur und Technologiemärkte. Das Unternehmen veröffentlicht regelmäßig sogenannte Business Impact Briefs, die technologische Entwicklungen, Marktdynamiken und deren betriebliche Auswirkungen kompakt aufbereiten.