HOCHVERFÜGBARKEIT DURCH KONSEQUENTES MONITORING

Verursachte vor Jahren ein kurzer Spannungseinbruch gerade mal ein Flackern in der Beleuchtung, kann er heute ganze Betriebe lahmlegen. Deshalb braucht es eine genaue Überwachung der Stromversorgung. Denn Störungen entstehen nicht nur im Netz, sondern auch innerhalb der eigenen Infrastruktur. Kontinuierliches Monitoring macht Abweichungen früh sichtbar. Im Idealfall lassen sich Defekte erkennen, bevor sie zum Ausfall führen. Dafür braucht es nicht viele Einzelsysteme: Ein modernes Monitoring-System erfasst die relevanten Daten zentral.
Hochautomatisierte Fertigungsanlagen, Rechenzentren und kontinuierliche Prozesse sind auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen – oft sogar auf Hochverfügbarkeit, d.h. eine Verfügbarkeit von mindestens 99,9%. Die vielen Server, Anlagen, Speichermedien und Netzwerkkomponenten tolerieren kaum Spannungseinbrüche oder andere Spannungsqualitäts-Abweichungen von der Norm (z.B. EN 50160).
Das betrifft die Informations- und Kommunikationstechnik sowie unterschiedliche Infrastrukturaufgaben wie Klimatisierung, Brandschutz, EMV, Sicherheitstechnik, Beleuchtung, Aufzüge und Antriebe.
Spannungsqualität
Spannungsqualität beschreibt die Güte der elektrischen Versorgung und deren Störung, zum Beispiel durch Oberschwingungen, Flicker, Transienten oder Spannungseinbrüche. Sie ist entscheidend für den stabilen Betrieb empfindlicher Anlagen und IT-Infrastrukturen.
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Integrierte Messtechnik
Es ist naheliegend, dass in hochverfügbaren Anwendungen eine sichere Stromversorgung Vorrang hat. Energieeffizienz bleibt dennoch ein wichtiges Ziel. Eine integrierte Messtechnik unterstützt beide Anforderungen. Sie unterstützt Energiemanagement, überwacht Spannungsqualität und Differenzstrom in einem System. So werden Messdaten leichter erfasst, ausgewertet und dokumentiert. Gleichzeitig können Auffälligkeiten früher erkannt werden.
Janitza bietet abgestimmte Lösungen für verschiedene Messebenen. Dazu gehören das UMG 512-PRO, das UMG 96RM-E und das UMG 801. Zusammen mit der Netzvisualisierungssoftware GridVis® und dem Alarmmanagement lassen sich alle notwendigen Messungen in einer gemeinsamen Systemumgebung durchführen.
Intelligentes Monitoring
Ein integriertes Monitoring bündelt drei Aufgaben in einer gemeinsamen Lösung:
- Energiemanagement mit den relevanten Energiedaten nach ISO 50001 (Erfassen von V, A, Hz, kWh, kW, kVArh, kvar …)
- Überwachung der Spannungsqualität, zum Beispiel von Oberschwingungen, Flicker oder Spannungseinbrüchen
- Differenzstrom-Überwachung (Residual Current Monitoring, kurz RCM)
Die Bündelung dieser Funktionen in einem Messgerät vereinfacht Aufbau und Betrieb der Messtechnik. Das vereinfacht die Integration und reduziert den technischen Aufwand. Die Messdaten werden zentral in einer Software erfasst, ausgewertet und dokumentiert. Anwender arbeiten mit einer gemeinsamen Datenbasis und in einer einheitlichen Softwareumgebung. Weil nur ein System genutzt wird, sind keine zusätzlichen Schnittstellen zwischen verschiedenen Lösungen nötig. Auch Schulungen und Einarbeitung lassen sich dadurch einfacher organisieren.
Melden vor Ausfall
Ein wesentlicher Vorteil der integrierten Datenerfassung ist die Geschwindigkeit und der umfassende Überblick über alle Daten. Damit lassen sich Störungen erkennen, die ein einzelnes System nur teilweise oder gar nicht wahrnehmen würde. So kann der Anwender reagieren, bevor Sicherungen oder Fehlstromschutzschalter (RCD) betroffene Anlagen oder Steckdosenstromkreise abschalten. Das gilt vor allem für zu hohe Betriebsströme, Überlastung von Verbrauchern und schleichend steigende Differenzströme, z.B. infolge von Isolationsfehlern.
Eine andere Fehlerquelle sind massive Netzrückwirkungen oder Resonanzerscheinungen durch eine wachsende Anzahl nicht linearer elektrischer Verbraucher. Werden irreguläre Netzgrößen wie zu hohe Oberschwingungen oder Fehlerströme rechtzeitig erkannt, können noch vor dem Ausfall eines Geräts Reparaturmaßnahmen eingeleitet werden. So lassen sich Ausfallzeiten vermeiden oder zumindest planen und reduzieren.

Sicherheit, Brandschutz und Hochverfügbarkeit
Differenzstrommonitoring (RCM) ist entscheidend für hochverfügbare Stromversorgungen. Vor allem kontinuierliche Prozesse und besonders sensitive Applikationen wie Rechenzentren, Krankenhäuser oder Halbleiterfabriken nutzen RCM. Auch dort, wo Isolationswiderstandsmessungen und Fehlerstromschutzschalter aus örtlichen oder betrieblichen Gegebenheiten nicht realisiert werden können, bietet die kontinuierliche RCM-Überwachung eine gute Alternative. Die vorausschauende Überwachung reduziert außerdem die Zahl der Alarme, wie es beispielsweise ein Alarmmanagement nach EEMUA 191 oder NAMUR NA 102 fordert.
Differenzstrom-Monitoring (RCM) kann außerdem die Brandgefahr reduzieren. Ein Fehlerstrom, ausgelöst durch eine defekte Isolierung, kann tückisch sein. Die Stromhöhe wird von der Leistung des speisenden Netzes, vom Isolationsfehlerwiderstand und vom Erdungswiderstand bestimmt. Die vorgeschaltete Schutzeinrichtung trennt bei ausreichend hohem Stromfluss den elektrischen Verbraucher vom Netz, z. B. bei sattem Erdschluss oder entsprechend niederohmigem Schluss. Ist der Fehlerstrom zu klein, löst die Schutzeinrichtung nicht aus. Doch bereits bei einer eingetragenen Fehlerleistung von etwa 60 Watt, entsprechend etwa 261 mA bei 230 V, besteht Brandgefahr. Eine Differenzstrom-Überwachung dient damit auch der Brandprävention.

RCM – Die Funktionsweise
Die grundsätzliche Funktionsweise des Differenzstromprinzips ist stark vereinfacht in Bild 2 dargestellt. In der Praxis laufen alle drei Phasen und der Neutralleiter durch den Summenstromwandler und werden aufaddiert. Im fehlerfreien Zustand der Anlage gleichen sich die Phasenströme und der Neutralleiterstrom aus. Dadurch ist der Summenstrom Null oder nahe Null, also im tolerierbaren Bereich. Entsprechend ist auch der im Sekundärkreis induzierte Strom Null oder nahe Null. Fließt im Fehlerfall ein Fehlerstrom gegen Erde ab, erzeugt die Stromdifferenz einen Summenstrom, was Strom im Sekundärkreis erzeugt. Das RCM-Messgerät erfasst und wertet diesen Strom aus.
RCM
RCM steht für Residual Current Monitoring (Differenzstromüberwachung) und bezeichnet die kontinuierliche Überwachung von Differenzströmen in elektrischen Anlagen. So lassen sich Isolationsfehler, Ableitströme und andere Auffälligkeiten frühzeitig erkennen.
Erfahren Sie mehr über RCM.
Moderne RCM-Geräte erlauben unterschiedliche Grenzwerteinstellungen. Ein statischer Grenzwert hat den Nachteil, dass er bei Teillast zu groß und bei Volllast zu klein sein kann. Dadurch ist entweder kein ausreichender Schutz gegeben oder es kommt zu Fehlalarmen. Das kann sich auf Dauer negativ auf die Aufmerksamkeit des Überwachungspersonals auswirken. Daher eignen sich RCM-Messgeräte mit dynamischer Grenzwertbildung besonders gut. Sie bilden den Fehlerstrom-Grenzwert auf Basis der aktuellen Lastverhältnisse und passen sich damit optimal auf die vorliegende Last an (Bild 5).
Die Anlage wird im Neuzustand parametriert, der typische Fehlerstrome im „GUT“-Zustande wird also festgelegt. Durch das anschließende kontinuierliche Monitoring zeichnen die Messgeräte alle Veränderungen des Anlagenzustandes ab dem Inbetriebnahme-Zeitpunkt auf. Auf diese Weise erkennen Anwender auch schleichende Fehlerströme.
Neue Technik, neue Fehlerquellen
Ein Beispiel für moderne Fehlerquellen sind kollabierende Polypropylen-Phasenschieberkondensatoren. Sie dienen zur Kompensation von Blindströmen, wie sie zum Beispiel Drehstrommotoren verursachen können.
Bei diesen Kondensatoren kommt es durch Überlast oder Übertemperatur häufig zum Aufschmelzen der PP-Wickel. Die Schmelzmasse verursacht dann einen hochohmigen Masseschluss. Solche Masseschlüsse können durch konventionelle Schutzmaßnahmen wie NH-Sicherung oder Leistungsschalter nicht abgeschaltet werden. Der kontinuierliche Fehlerstrom führt in der Regel mittelfristig zu einem satten Kurzschluss und kann dann unter Umständen ein erhebliches Brand- bzw. Sicherheitsrisiko darstellen (Bild 6). Die Differenzstrommessung erkennt solche Fehler und erlaubt rasche Gegenmaßnahmen. So lassen sich kostspielige und gefährliche Anlagenausfälle vermeiden.
Häufig kommt es schon bei der Installation zu Fehlern, wie unzulässigen Verbindungen zwischen N- und PE-Leiter. Manchmal werden die beiden auch schlicht vertauscht. Bild 7 zeigt einen typischen Anschlussfehler, der leicht einen Fehlerstrom von 5000 mA zur Folge hat. Mit RCM werden solche Fehler schon während der Installationsphase sofort erkannt und über das Alarmmanagement gemeldet.
Eine weitere Störquelle ist eine große Anzahl einphasiger Lasten, zum Beispiel Schaltnetzteile von Servern in Rechenzentren oder PCs in Bürogebäuden. Sie verursachen einen hohen Anteil dritter Oberschwingungen.
Diese Oberschwingungsanteile haben den großen Nachteil, dass sie sich auf dem Neutralleiter überlagern, anstatt sich über die Trafowicklungen aufzuheben. Es kann zu Überlastungen der N-Leiter kommen. Integrierte Messgeräte, wie das UMG 96RM-E, überwachen alle Phasen umfassende und können überhöhte Neutralleiterströme rechtzeitig melden.
In diesem Zusammenhang seien auch die Sicherheitsvorschriften der VdS Schadenverhütung für elektrische Anlagen bis 1000 Volt erwähnt.
„VdS 2046 : 2010-06 (11)
3.2.4 Um die Sicherheit in elektrischen Anlagen, in denen zahlreiche nicht lineare Verbrauchsmittel (wie Frequenzumrichter, Steuerungen durch Phasenanschnitt z.B. bei Beleuchtungsanlagen) betrieben werden, zu erhöhen, sind regelmäßig, z.B. einmal jährlich, zusätzlich auch nach wesentlichen Änderungen der elektrischen Anlage oder Art und Anzahl der elektrischen Verbraucher, der Strom im Neutralleiter zu messen. Ist die Sicherheit der Anlage durch zu hohe Oberschwingungsströme gefährdet, sind Maßnahmen zum Schutz bei Oberschwingungen nach Publikation „Störungsarme Elektroinstallation“ (VdS 2349) zu treffen.“


Herausforderung Hochverfügbarkeit
EDV-Technik stellt hohe Anforderungen an die Versorgung. Besonders kritisch sind Anwendungen, in denen ein Datenverlust nicht vorkommen darf. Für Rechenzentren gilt heute die EN 50600 als maßgebliches Regelwerk.
Besonders wichtig ist zudem ein EMV-optimiertes TN-S-System. Unerwünschte Verbindungen zwischen N- und PE-Leiter, schleichende Isolationsfehler oder auffällige Differenzströme können die Betriebssicherheit beeinträchtigen und sollten deshalb frühzeitig erkannt werden. Eine kontinuierliche Überwachung schafft Transparenz und macht kritische Zustände bereits vor einem Ausfall sichtbar.
Mit der Janitza-Lösung lässt sich eine sichere RCM-Fehlerstromüberwachung in einem EMV-optimierten TN-S-System realisieren (Bild 8).
Prüfkosten senken mit RCM
Wiederkehrende Prüfungen, wie sie z.B. die DGUV V3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ vorschreibt, sind zeitraubend und damit teuer. Für die konventionelle Isolationsmessung beispielsweise müssen ortsfeste Anlagen oder Verbraucher abgeschaltet und der Neutralleiter getrennt werden. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass die hohe Prüfspannung der Isolationsmessung sensible elektronische Bauteile beschädigt. Die Prüfschärfe und der Umfang können jedoch durch eine kontinuierliche Überwachung reduziert werden.
Denn ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel gelten als ständig überwacht, wenn sie kontinuierlich von Elektrofachkräften instandgehalten und durch messtechnische Maßnahmen im Rahmen des Betriebs geprüft werden.
Durch RCM findet eine solche kontinuierliche Prüfung der Isolationsbeschaffenheit statt. So ersparen sich Betreiber einen Teil der kostenintensiven Messung von Isolationswiderständen.
Dies muss allerdings anwendungsspezifisch festgelegt werden. Absprachen mit dem Betreiber, gegebenenfalls auch mit Sachverständigen und/oder der Berufsgenossenschaft, sind hierfür zwingend erforderlich.
Ausdrücklich sei an dieser Stelle erwähnt, dass folgende Arbeiten trotz kontinuierlicher RCM-Messung durchgeführt werden müssen:
- Sichtprüfung auf äußerlich erkennbare Mängel
- Schutzmaßnahmen und Abschaltbedingungen
- Schleifenwiderstände und Prüfung der Durchgängigkeit von Schutzleitern
- Funktionsprüfung

Der Verband der Sachversicherer fordert RCM
Der VdS äußert sich zum Thema Oberschwingungen / Errichten der Stromversorgungssystems wie folgt:„Bei Stromversorgungssystemen mit PEN-Leiter fließen im gesamten Erdungs- und Potentialausgleichssystem betriebsbedingte Ströme, die Schäden verursachen können (siehe Abschnitt 3.3). Für neu zu errichtende elektrische Anlagen sind deshalb TN- als TN-S-Systeme zu planen. Für bestehende TN-C-Systeme wird die Umrüstung auf ein TN-S-Systeme empfohlen. TN-S-Systeme sind möglichst ab der Einspeisung (Übergabestelle) zu realisieren.Um die Funktionsfähigkeit eines TN-S-Systems auch auf Dauer zu gewährleisten (kein Leiterschluss zwischen N- und PE-Leiter, Vertauschen von N- und PE-Leiter), ist dieses durch eine Differenzstrom-Meldeeinrichtung (RCM) zu überwachen.Wenn der eingestellte Ansprechwert erreicht wird, muss eine wahrnehmbare optische und akustische Fehlermeldung erfolgen, damit die Mängel sofort beseitigt werden können. Damit die Meldung erfolgreich ist, sollte sie ggf. an einer besetzten Stelle aufgeschaltet werden. Wird auf eine Aufschaltung verzichtet, ist die zwangsläufige Abschaltung des fehlerhaften Stromkreises erforderlich …“
An anderer Stelle, bei den Sicherheitsvorschriften für elektrische Anlagen bis 1000 Volt schreibt der VdS vor:„VdS 2046 : 2010-06 (11)
3.2 Erhalten des ordnungsgemäßen Zustandes
3.2.3 Um die Sicherheit in elektrischen Anlagen auf Dauer zu gewährleisten, wenn Isolationswiderstands- Messungen aus örtlichen oder betrieblichen Gegebenheiten nicht durchgeführt werden können, müssen Ersatzmaßnahmen getroffen werden. Solche Maßnahmen werden in der Publikation „Schutz bei Isolationsfehlern“ (VdS 2349) beschrieben.“Eine adäquate Ersatzmaßnahme ist hier die permanente RCM-Überwachung!
Energiemessung und elektrische Standardparameter
RCM spielt bei der Anlagenüberwachung durch das Janitza-System eine wichtige Rolle. Daneben dürfen weitere Aspekte jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Neben der sicheren Energieversorgung ist auch die Energieeffizienz relevanter denn je. Die ISO 50001 bildet die normative Grundlage für die Einführung eines Energiemanagementsystems. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Begriff Managementsystem. In Anlehnung an andere Managementsysteme wie ISO 9001 oder ISO 14001 geht es darum, Ziele festzulegen, diese systematisch umzusetzen und den Faktor Zufall weitestgehend auszuschalten.
Mit den UMG-Messgeräten und der Netzvisualisierungssoftware GridVis® von Janitza erfassen und analysieren Anwender elektrische Standardparameter sowie Leistungen und Energieverbräuche.
Überwachung der Spannungsqualität
RCM und die Anforderungen der Bitkom und des Verbandes des Sachversicherer wurden in den ersten beiden Teilen behandelt. Der letzte Punkt der 3-in- 1-Überwachung ist die Spannungsqualität. Das zuverlässige Betreiben moderner Anlagen und Systeme setzt immer eine hohe Versorgungszuverlässigkeit und gute Spannungsqualität (Power Quality) voraus. Aber in der modernen Energieversorgung kommen vom Industrienetz bis hin zum Bürogebäude eine Vielzahl ein- und dreiphasiger, nichtlinearer Verbraucher zum Einsatz. Dazu gehören Beleuchtungstechnik, wie z.B. Lichtregler für Scheinwerfer oder Energiesparlampen, zahlreiche Frequenzumrichter für Heizungs-, Klima-und Lüftungsanlagen, Frequenzumrichter für Automatisierungstechnik oder Aufzüge, sowie die gesamte IT-Infrastruktur mit den typischerweise verwendeten, geregelten Schaltnetzteilen. Vielerorts findet man heute auch Wechselrichter für Photovoltaikanlagen (PV) und unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV).
All diese nichtlinearen, elektrischen Lasten verursachen mehr oder weniger große Netzrückwirkungen mit einer Verzerrung der ursprünglich “sauberen“ Sinusform. Dadurch werden die Strom- und Spannungswellenform ebenfalls entsprechend verzerrt (Bild 10, und Bild 11).
Die Belastung der Netzinfrastruktur durch die beschriebenen elektrischen und elektronischen Verbraucher mit Netzrückwirkungen hat in den letzten Jahren signifikant zugenommen. Je nach Art der Erzeugungsanlage und der Betriebsmittel (Netzeinspeisung mit Umrichter, Generator), Netzsteifigkeit am Anschlusspunkt und der relativen Größe der nichtlinearen Verbraucher entstehen dabei unterschiedliche Netzrückwirkungen und Beeinflussungen. Für gesicherte Stromversorgungen in Rechenzentren muss die Netzqualität der EN 61000-2-4 (Klasse 1) entsprechen.
Janitza bietet mit einer breiten Palette an UMG-Messgeräten die Möglichkeit, die verschiedenen Parameter der Spannungsqualität zu erfassen und zu analysieren. Standardisierte Spannungsqualitätsberichte in der GridVis® Software (z.B. für die EN 50160, EN 61000-2-4 und ITIC: “CBEMA-Kurve“) erlauben die Berichterstellung für gängige Normen quasi auf Knopfdruck.


Monitoring-Lösungen in der Praxis
Das Ziel mit den 3-in1-Monitoring Lösungen, eine integrierte Messung von Energie, Spannungsqualität und RCM, erfordert die Messung aller Leiter (L1, L2, L3, N) + ZEP (Zentraler Erdungspunkt) + RCM mit einem einzigen Messgerät.
Ein leistungsfähiges Messgerät mit 6 Messstromeingängen für die 3-in-1-Messung ist das UMG 96RM-E für Zwischenverteiler oder das UMG 512 für Hauptknotenpunkte und ZEP von Janitza. Die IP-basierten Messgeräte lassen sich über Ethernet einfach in bestehende Kommunikationsnetze integrieren. Zahlreiche IP-Protokolle, Onboard-Homepage und SNMP-Protokoll erleichtern den Administratoren die Arbeit.
Spezielle Differenzstromwandler mit praktischen Sonderbauformen erlauben auch die kostengünstige Nachrüstung bei Bestandsanlagen ohne elektrische Verbraucher abschalten zu müssen.

Alarm an der richtigen Stelle
Alarme dürfen nicht ungehört verhallen. Ein akustisches Signal aus dem Schaltschrank in der NH-Verteilung nützt in der Leitwarte wenig.
Über die Integration der RCM-Messgeräte in die GridVis®- Software mit seinen umfangreichen Meldemöglichkeiten des Alarmmanagements wird sichergestellt, dass die Meldung schnell den richtigen Empfänger erreicht. Mit beliebigen Eskalationsstufen und Logbuchfunktion stehen dem Überwachungsleitstand alle Tools für eine effiziente Überwachung zur Verfügung. So kann die verantwortliche Elektrofachkraft etwaige Fehlerstromanhebungen schnellstmöglich erkennen, bewerten und bei Bedarf Instandhaltungsmaßnahmen in die Wege leiten.
Vagabundierende Ströme stören die EMV
Verbindungen zwischen N- und PE-Leiter führen dazu, dass sich “vagabundierende“ Betriebsströme über das PE-System, über Datenleitungen und alle metallenen Gebäudeteile verteilen. Weil diese Ströme nicht ausgeglichen sind, generieren sie elektromagnetische Felder. Vielfältige Störungen in den elektrischen Anlagen, EDV-Netzen und Rohrsystemen der Gebäudeinstallation sind die Folgen. Bild 12 veranschaulicht, wie sich der Betriebsstrom an der PEN-Brücke aufteilt und über mehrere Wege zurückfließen kann, wodurch die Summe über Hin- und Rückleiter-Strom nicht länger 0 ergibt. Das kann folgende Störungen nach sich ziehen:
- Veränderungen des Betriebsverhaltens von frequenz-abhängigen Bauteilen (z.B. nehmen Kondensatoren mehr Strom auf)
- Störungen von Datenübertragungen durch magnetische und induktive Einflüsse
- Übertragung von Blitzeinflüssen in die elektrische Anlage
- Korrosionen an metallischen Leitungen
- Beeinflussung von Personen
Hin- und Rückleiter, auch in Verteilungen, sind nahe beieinander anzuordnen, um magnetische Felder zu minimieren. An jedem Knotenpunkt eines Stromkreises muss die Summe der Ströme gleich Null sein, um Fehlerströme zu vermeiden. Zusätzlich sollte die Unterverteilung oder der Stromkreis mit einem RCM überwacht werden. Das UMG 96RM-E eignet sich sehr gut für die Überwachung von Unterverteilungen oder größeren Verbrauchern.
Ein meldendes RCM in Kombination mit dem Fachpersonal vor Ort schaffen maximale, alternative Sicherheit.
Neutralleiter und ZEP
Der Neutralleiter (Betriebsstrom Rückleiter) ist heute der wichtigste Leiter geworden. Er ist wie ein Außenleiter zu behandeln. Damit das Erdungssystem “sauber“ bleibt, ist der strombelastete N-Leiter fern vom PE-Leiter anzuordnen. Es dürfen keine galvanischen Betriebsströme über das Erdungssystem fließen, da diese induktive Einkopplungen verursachen würden. Diese Maßnahmen müssen bis zur speisenden Quelle erfolgen.
Im TN-S-System ist der N-Leiter nur einmal, am so genannten ZEP (zentraler Erdungspunkt von N zu PE), an geeigneter Stelle mit dem Erdungssystem zu verbinden und zu überwachen. Unerwünschte Isolationsfehler oder galvanische Verbindungen zwischen N und PE werden mit einer Überwachung des ZEP sofort erkannt. Abweichungen werden rechtzeitig gemeldet und zeitliche Abhängigkeiten analysiert.
Ob das TN-S-System fehlerfrei funktioniert, kann mit z.B. mit dem UMG 512 kontrolliert werden. Es erlaubt eine gesamtheitliche Betrachtung von Netzqualität und EMV. So kann sogar die auslösende Phase eines Erdschlussfehlers aufgezeichnet und analysiert werden. Der Phasenstrom steigt dann parallel zum ZEP-Strom an. Der Strom auf dem ZEP ist immer in Abhängigkeit zur Gesamtleistung des TN-S-Systems zu betrachten. Das bedeutet, dass einerseits betriebsbedingte Ableitströme toleriert, aber abnormale Abweichungen auf dem ZEP vom RCM gemeldet werden.

Firmenporträts
JANITZA® ELECTRONICS GMBH
Janitza® electronics GmbH ist ein deutsches Unternehmen und seit 50 Jahren tätig auf dem Gebiet der Herstellung von Systemen für effizienten Stromeinsatz, Energiemessung und Kosteneinsparung. Als weltweit bekannter Hersteller von Netzüberwachungs- und Energiemanagementgeräten, digitalen Einbaumessgeräten, Blindleistungsreglern und Kompensationsanlagen steht das Unternehmen für höchste Qualitätsstandards und Innovationen.Produkte werden nach neuesten Erkenntnissen mit modernster Produktionstechnologie hergestellt. Qualitätsmanagement ist bei Janitza eine kontinuierliche, unternehmerische Führungsaufgabe (z. B. ISO 9001). Ein umfassendes Know-how, eine kompetente Beratung und Konzepterstellung bis hin zur Inbetriebnahme maßgeschneiderter Lösungen erfüllen die Wünsche und Anforderungen der Kunden.